Bühnenbild
Das Bühnenbild ist minimalistisch, es werden lediglich Wände hin- und hergeschoben und mit Beleuchtung und Projektionen gespielt. Der Operngast soll sich auf die Musik konzentrieren und nicht durch das Bühnenbild abgelenkt werden, meint zumindest der Dramaturg bei der Einführung. Der Palast des Herzogs von Mantua besteht aus silbernen Wänden und schrägen Böden, in den anderen Akten werden grauschwarze Wände verschoben, nur das Zimmer der Gilda ist gelb. Hier singt sie die tolle Arie Caro Nome und ausgerechnet hier wurde die Wand während der Arie beschriftet – noch dazu in Englisch. Gelesen habe ich das nicht, dafür ist diese Arie viel zu schön um sich von irgendwelchen Texten ablenken zu lassen.
Also fragt man sich: ‚minimalistisches Bühnenbild‘, der Operngast soll sich auf die Musik konzentrieren?
Die Männer tragen alle Anzüge mit weißen Hemden und Krawatten, teilweise Smoking mit Fliege. Nur Rigoletto sticht hervor mit einem weißen Smoking Jackett. Die Männer schauen von der Ferne fast alle gleich aus.
Natürlich geht auch dieses Stück nicht ohne eine Waffe, diesmal eine Pistole, die aber eher unsichtbar bleibt, bis sie dem Herzog runterfällt und ein anderer sie aufhebt. Völlig überflüssig und ungeschickt.
Handlung
Die Handlung ist schlimm, der Herzog treibt es wild mit Frauen, Missbrauch, Prostitution und lässt nichts anbrennen. Der Herzog von Mantua (Duke of Mantua) ist ein skrupelloser Verführer. Der Hofnarr Rigoletto, der als Einziger dem Herzog hätte seine Schranken weisen können, hält sich zurück. Er verspottet lieber die Opfer des Herzogs, als sich ihm entgegenzustellen.
Rigoletto hat eine Tochter, Gilda, die er versteckt, damit sie nicht in die Hände des Herzogs fällt. Den einzigen Ausgang, den Gilda hat, ist in die Kirche. Und genau dort trifft sie den Herzog, der sich als armer Student verkleidet. Ausgerechnet der Ort, an dem sie Schutz finden soll, wird zur Falle.
Das Unglück nimmt seinen Lauf, sie verliebt sich in ihn, wird vom Hof entführt und zum Herzog gebracht. So naiv und unerfahren sie ist, findet sie es nicht so toll, belogen zu werden. Rigoletto bringt Gilda als Mann verkleidet in die Kneipe, wo der Herzog verkehrt. Dort sieht Gilda wie der Herzog bereits die nächste Frau umgarnt, Maddalena. Rigoletto beauftragt einen Mörder, den Herzog abzumorcheln, der verwechselt aber die beiden und ersticht Gilda. Dumm gelaufen.
Schlimm an der Inszenierung ist die Szene in der Kneipe. Wieder schwarze Wände, und mehrere Frauen in Latexhäuten mit Ketten und Fesseln und Tierköpfen. Die Bühne wirkt plötzlich wie eine Mischung aus Fetischkeller und Endzeitfantasie. Ein Zwischending zwischen Borg und Sadomaso.
Hat das mit der Geschichte der Oper überhaupt noch was zu tun?
Ist das also die an die heutige Zeit angepasste Version von Rigoletto, wie es der Dramaturg erklärte?
Wer eine Horroraufführung sehen will, ist bei dieser Inszenierung richtig. Wer jedoch Verdis Oper genießen möchte, muss viel Geduld mitbringen.
Bei der Verbeugung hat man Maddalena aus der Nähe gesehen: Schwarzen Latex-Minikleid und Overkneestiefel. Auf dem Oberschenkel hatte sie einen dicken blauen Fleck.
Wurde sie etwa verprügelt? Ist die Inszenierung tatsächlich so realistisch?
Und damit verlässt man die Oper – immer noch schockiert, irritiert und mit dem Bild eines blauen Flecks auf dem Oberschenkel im Kopf.