Ballett: Die Kameliendame – Frédéric Chopin

Das Ballett basiert auf Alexandre Dumas’ Roman La Dame aux Camélias (1838), der auch Verdis Oper La Traviata inspirierte.

Das Ballett basiert auf Alexandre Dumas’ Roman La Dame aux Camélias (1838), der auch Verdis Oper La Traviata inspirierte.

Verdis Werk erlebte seine Premiere erst 1853, fünf Jahre nach Fertigstellung, wegen Zensurproblemen – ein Hinweis auf die Brisanz der Thematik, die gesellschaftliche Moralvorstellungen infrage stellt. Das Erfolgsballett selbst stammt aus dem Jahr 1978. Die Musik besteht aus einer Auswahl von Chopins Klavierwerken, die orchestriert und für das Ballett arrangiert wurden.

Musikalischer Eindruck 

In der Pause bemerkte jemand, die Musik sei so schön, dass man am liebsten die Augen zu machen möchte. Ja, beinahe stört der Tanz beim Genuss der Musik. Chopins Klavierstücke sind unbeschreiblich schön und werden nur punktuell vom Orchester begleitet.

Bühnenbild

Schon beim Betreten des Zuschauerraums ist der Vorhang geöffnet und zeigt ein opulentes Bild: luxuriöser Hausrat einer Auktion, Möbel, Teppiche und Kleidung der verstorbenen Marguerite, der Kameliendame. Später erscheinen viele elegant gekleidete Männer in Frack, Zylinder, Cut, Pellerine, weißen Hemden und Weste sowie Frauen mit Abendroben, Hüten und Fächern. Die Bühne weitet sich neben das Orchester und die unteren Logen. Im weiteren Verlauf des Stücks tragen die Tänzerinnen opulente knielange Kleider, deren ausladende Röcke teilweise den Männern bei den Hebefiguren die Augen verdecken, was beinahe gefährlich wirkt, wenn der Tänzer nichts mehr sieht. Alles wirkt luxuriös und elegant – die Pariser Gesellschaft wird lebendig. Bei einem Fest sitzt sogar der Pianist auf der Bühne. Besonders interessant ist die Szene vor dem Spiegel, bei der man Marguerite und Armand auch von hinten sehen kann.

Handlung

Die Handlung ist komplex, teilweise verwirrend, mit vielen Nebenschauplätzen. Alle Tänzerinnen sehen ähnlich aus, und Marguerite wechselt oft ihr Kleid, daher ist sie schwer zu unterscheiden. Bei der Auktion beginnt ein Rückblick auf die Geschichte.

  • Im ersten Akt wird die Theateraufführung Manon Lescaut gezeigt, die Geschichte einer Pariser Kurtisane. Marguerite, selbst eine begehrte Kurtisane, erkennt hustend ihr eigenes Schicksal und trifft Armand.
  • Im zweiten Akt erscheint der Flügel, und der Pianist spielt auf der Bühne. Es wird gefeiert, und Marguerite und Armand verlieben sich. Lange, ausschweifende Pas de deux mit akrobatischen Hebefiguren verdeutlichen die Verliebtheit. Sie trennt sich von ihrem ehemaligen Verehrer, lebt aber weiterhin ihr Kurtisanenleben.
  • Im dritten Akt endet die Geschichte tragisch: Marguerite stirbt an Schwindsucht.

Publikumsreaktion

Tosender Beifall mit mindestens sechs Vorhängen. Mehrere Blumensträuße fliegen auf die Bühne, einer trifft fast den Dirigenten, der ihn lachend aufhob und Marguerite übergab. Es war ein wunderschöner Abend. Das Ballett erzählte nicht nur die Geschichte, sondern ließ das Publikum in seine Welt eintauchen.

Leider gibt es keinen Trailer der Münchner Oper, hier ein Hamburger Beitrag (ca. 1,5 min):

https://www.youtube.com/watch?v=bM2g1TcHRQ0