Oper: Macbeth – Giuseppe Verdi

Wer freiwillig in Depressionen schwelgen möchte, kann sich diese Operninszenierung ansehen.. Eine Review von Karin Bergs.

Die Handlung von Shakespeares Macbeth (1606), die Verdi vertonte, ist grausam genug – in dieser Aufführung wird sie noch deutlich getoppt. 

Bühnenbild:

Das Bühnenbild wirkt durchgehend farblos: schwarze Wände, ein weißer Steinhaufen, der bei genauerem Hinsehen mit Totenköpfen bestückt ist, und wandartige Plastikfolien, die den Raum immer wieder abtrennen. Rechts steht ein zeltartiges Gebilde in Bundeswehrgrün; darunter vermutet man eine Treppe, da die Darsteller immer wieder daraus hervor krabbeln und darin verschwinden. Den Kindern, Solist(en) des Tölzer Knabenchors, gelingt das deutlich leichter als den Erwachsenen. Bei den Kindern sind auch Mädchen dabei – alle tragen hellblonde Perücken, die Mädchen mit schicker Außenwelle. Sobald die Handlung im Palast spielt, erscheint ein riesiger Kristallleuchter, und die Plastikwände verkleinern die Bühne.

Nur während der Krönungsszene tragen die Darsteller historische Gewänder, die sie danach ausziehen, um in nude-farbenen Dessous dazustehen; die Frauen mit Strumpfhosen, die Männer hingegen mit nackten Beinen. Was das aussagen soll, erschließt sich mir nicht.

Nach der Pause wird es zunehmend obskur, da wird erst mal ausgiebig auf der Bühne uriniert. In einer anderen Szene werden vier nackte Männer an den Füßen hochgezogen und hängen mehrere Minuten mitten im Raum mit dem Kopf nach unten. Ob das Menschen oder Puppen sind, war nicht zu erkennen. Irgendwann kamen vier oder fünf Frauen, wahrscheinlich Hexen oder Elfen mit nacktem Oberkörper, rosa kinnlangen Perücken und roten Hosen und blasen in irgendwas hinein, so dass Plastikfolien herauskommen, die sie dann als Mäntel überziehen können und nicht mehr nackt aussehen.

Handlung:

Die Handlung ist komplex und wirkt durch die Inszenierung teilweise verwirrend, im Kern geht es um Macht und Intrigen. Macbeth möchte König werden, nachdem ihm eine Weissagung dies in Aussicht gestellt hat. Noch herrscht König Duncan, den Macbeth erst beseitigen muss – auf der Bühne ist nur sein abgeschlagener Kopf zu sehen, den Macbeth stolz präsentiert. Danach kann er gekrönt werden, doch die Gewaltspirale setzt sich fort: es gibt zig weitere Tote, auch Lady Macbeth, seine Frau stirbt. Am Ende wird Macbeth von Macduffder sich von Anfang an klar gegen ihn stellt, mit dem Schwert getötet.

Was ich nicht verstanden und in dieser Inszenierung vermisst habe, ist die Szene mit dem Wald. Laut Prophezeiung ist Macbeths Zeit als König vorbei, wenn der Wald auf ihn zukommt. In dieser Oper reißt Macbeth die Plastikwände herunter  soll das den Wald andeuten?

Übrig bleibt nur Malcolm der Sohn von Ex-König Duncan als rechtmäßiger Thronfolger. Dargestellt wurde es durch die weißblonden Kinder, von denen sich ein Mädchen die Krone aufgesetzt.

Alles in allem: nicht einmal die Musik hat mir gefallen. Bei der Verbeugung sind die Zuschauer schnell entwichen. Als die Sänger einzeln vor dem Vorhang erschienen, war das Parkett schon fast leer.